Copenhill
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CopenHill – Kopenhagens Hang zur Moderne

Möwen über dem Öresund, Industrieromantik statt Alpenglühen sowie Plastikmatten und Segelboote anstelle von schneebedecktem Gebirge. Wir holen den ausgefallenen Ski-Winter auf der Müllverbrennungsanlage CopenHill in Kopenhagen nach.

Bilder: ©Derk Hoberg; Rasmus Hjortsøj/Soren Aagaard & BIG – Bjarke Ingels Group; Ehrhornhummerston

Mitten durch die modernste und umweltfreundlichste Müllverbrennungsanlage der Welt geht es mit dem gläsernen Aufzug schnurstracks nach oben. Vorbei an Röhren, Metallstreben und Kesseln in denen gut 400.000 Tonnen Müll pro Jahr in Energie transformiert werden. Knapp 100 Meter ragt das beeindruckende Gebäude des dänischen Star-Architekten Bjarke Ingels auf einer Insel im Öresund in die Höhe. Die gut 400 Meter lange Skipiste, windet sich mal mehr mal weniger steil vom Dach des Gebäudes einmal um dessen Ecke herum bis nach unten. Doch bevor man sich hier in die Abfahrt stürzt, heißt es zunächst Aussicht genießen, schließlich befindet man sich auf dem CopenHill an Kopenhagens höchstem Aussichtspunkt und in exponierter Lage: im Rücken die Stadt und vor der Brust das Meer und die Piste.

Copenhill

Freilich muss man sich mit dieser und ihrem ungewohnten Untergrund – spezielle Kunststoffmatten zum Skifahren – erst einmal vertraut machen. Das Fahrverhalten ist ein ganz anderes als auf Schnee und erfordert gerade im oberen, steileren Bereich der Piste durchaus gutes skifahrerisches Können. Zahlreiche, etwa zwei Zentimeter lange Plastikborsten durch die auch einige Grashalme wachsen, vermitteln ein Gefühl wie auf einer brettharten, beinahe eisigen Skipiste und so kostet das Eingewöhnen durchaus ein wenig Kraft. Unten angekommen geht es mit drei Liften entlang der Piste wieder nach oben – der richtige Moment, Gebäude und Umgebung in Ruhe aus anderer Perspektive zu bewundern.

 

CopenHill – Außergewöhnliches Skigebit in Kopenhagen

Natürlich tut man seit der Eröffnung im Winter 2019 auch ansonsten alles, um das neue Skierlebnis in Dänemarks Hauptstadt so authentisch wie möglich zu gestalten. Ein Sportgeschäft samt Skiverleih und Skischule, Aprés Ski- und Rooftop-Bar sowie ein Freestyle Park mit verschiedenen Hindernissen sorgen für echtes Ski- und Snowboard-Flair. Doch Skifahren ist beileibe nicht die einzige Freizeitbetätigung, der man hier nachgehen kann. Neben dem Wanderweg entlang der Piste führt auch die mit 80 Metern längste Kletterwand der Welt senkrecht an der Fassade hinauf.

Schon von außen und weithin sichtbar wirkt die gesamte Anlage faszinierend und futuristisch. Dank modernster Filtertechnik für die Abgase besteht keinerlei Gefahr, auf dem Dach der Müllverbrennungsanlage Ski zu fahren – auch Geruchsbelästigung oder ähnliches muss hier keiner fürchten. 150.000 Haushalte versorgt die Anlage mit Strom und Fernwärme – und erfüllt so die Maxime des visionären und von Shanghai bis New York aktiven Architekten Ingels: Häuser mit möglichst vielen unterschiedlichen und sich ergänzenden Funktionen zu bauen, um unsere Städte lebenswerter zu machen.

Star-Architekt Bjarke Ingels

So ist seine frühe Segelschule in Kopenhagen gleichzeitig Jugendzentrum und deshalb wächst im von ihm entworfenen und nur einem Steinwurf entfernten Restaurant Noma das Gemüse für Spitzenkoch René Redzepis Gerichte auf dem Dach. Genau wie auf Kopenhagens neuem Bergmassiv, dessen Piste zahlreiche Bäume und Sträucher aus dem skandinavischen Raum beheimatet und dessen Fassade und deren unzählige Blumenkästen zukünftig mit Pflanzen bewachsen sein sollen. Einzig, um damit Kopenhagens Hang zur Moderne nachzukommen: Die Stadt hat das ehrgeizige Ziel, 2025 die erste CO₂-neutrale Stadt der Welt zu sein. So macht Skifahren auch im Sommer Spaß.

Weitere Infos: www.copenhill.dk