Madame Pic at Le Normandie: Wenn eine Legende nach Bangkok kommt
Es gibt Orte, an denen Geschichte spürbar ist. Das Mandarin Oriental Bangkok, majestätisch an den Ufern des Chao Phraya gelegen, ist ein solcher Ort. Wenn hier eine der höchstdekorierten Köchinnen der Welt ihr kulinarisches Debüt gibt, ist das mehr als eine Restauranteröffnung – es ist ein Ereignis! Mit „Anne-Sophie Pic at Le Normandie“ beginnt in Bangkok eine neue Epoche der Haute Cuisine.
Text: Thomas Köhler Fotos: Mandarin Oriental
Eigentlich war das Treffen mit Anne-Sophie Pic erst für den nächsten Tag geplant. Doch manchmal spielt das Leben seine schönsten Zufälle ausgerechnet dort, wo Ikonen zu Hause sind: in der Lobby des Mandarin Oriental. Trotz der vergangenen Jahre seit der letzten Begegnung erkennt Pic ihr Gegenüber sofort, nimmt sich Zeit, spricht ruhig, konzentriert – bevor sie wieder in die Küche verschwindet. Denn ihr neues Restaurant hat erst vor wenigen Tagen eröffnet, und ganz Bangkok blickt gespannt auf Le Normandie.

Ein Ort mit Geschichte – neu gedacht
Le Normandie ist mehr als ein Restaurant. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1958 – und spätestens seit seiner Neupositionierung 1969 als erste Fine-Dining-Adresse der Stadt – gilt es als kulinarische Institution Thailands. Über Jahrzehnte hinweg prägte es das gastronomische Selbstverständnis der Metropole und wurde nach Einführung des Guide Michelin 2018 konstant mit zwei Sternen ausgezeichnet.

Doch große Häuser müssen sich erneuern, um relevant zu bleiben. Nach Jahren, in denen Interieur und Küche etwas an Zeitgeist verloren hatten, markiert Anne-Sophie Pics Einzug einen radikalen, zugleich sensiblen Neuanfang. Gemeinsam mit dem Pariser Designstudio Humbert & Poyet wurde Le Normandie vollständig neu gestaltet: helle Beige- und Cremetöne, eine klare, elegante Linienführung, femininer, leichter, zeitgemäß. Ein Raum, der nicht imponieren will, sondern trägt.
Haute Cuisine mit weiblicher Handschrift
Auch in der Küche setzt Pic auf Kontinuität ihrer Philosophie. Mit Tamaki Kobayashi, ihrer ehemaligen Küchenchefin aus dem Drei-Sterne-Restaurant in Valence, steht erneut eine Frau am Pass.

Die Kreationen folgen Pics Konzept der „Suffusion“ – einem kreativen Dialog der Zutaten, bei dem verschiedene Techniken und Texturen ineinanderfließen. Ziel ist keine lineare Dramaturgie, sondern eine kulinarische Erfahrung, die vertraute Aromen neu interpretiert.

Was theoretisch klingt, überzeugt praktisch auf ganzer Linie. Die Gerichte wirken leicht, präzise und emotional. Französische Haute Cuisine bildet das Fundament, doch lokale Zutaten aus Thailand werden nicht dekorativ eingesetzt, sondern bewusst integriert. Ein Hummer-Dashi mit roten Früchten etwa verbindet Tiefe, Säure und Eleganz – französisch in der Technik, asiatisch im Geist.
Warum französische Küche in Bangkok?
In einer Stadt, die zu den aufregendsten Food-Metropolen der Welt zählt und mit exzellenten Thai-Restaurants glänzt, stellt sich zwangsläufig die Frage: Warum französische Haute Cuisine? Die Antwort liegt in Anne-Sophie Pics außergewöhnlicher Fähigkeit, Tradition und Ort miteinander zu verweben. Ihre Küche bleibt unverkennbar sie selbst – und ist doch offen genug, um Bangkok nicht nur als Bühne, sondern als Inspirationsquelle zu begreifen.
Bangkok hat ein neues kulinarisches Kapitel.
Und es beginnt mit einer Handschrift, die man weltweit erkennt.

So entstehen Teller, die europäischen Gästen vertraut erscheinen und zugleich neue Perspektiven eröffnen. Und genau darin liegt die Stärke dieses neuen Le Normandie: Es will nicht kopieren, sondern übersetzen.
Le Normandie – Haute Cuisine, die überzeugt
Mit Anne-Sophie Pic at Le Normandie gewinnt das Mandarin Oriental Bangkok nicht nur eine der größten Namen der internationalen Spitzengastronomie, sondern ein Restaurant, das Geschichte respektiert und Zukunft wagt. Hier verschmelzen Ort, Persönlichkeit und Küche zu einer Form von Haute Cuisine, die leise überzeugt – und lange nachhallt.



